Hämophilie und sportliche Aktivität

In Form zu bleiben ist für Hämophilie-Patienten von zentraler Bedeutung.

Story
Schwimmer im Becken

Bewegung ist nachweislich von gesundheitlichem Nutzen, auf den gerade Menschen mit Hämophilie nicht verzichten können und sollten. Durch Auswahl der richtigen Trainingsaktivitäten kann bei Einhaltung entsprechender Vorsichtsmaßnahmen während der Durchführung der Gesundheitszustand von Menschen mit Hämophilie insgesamt verbessert und das Auftreten Hämophilie-bedingter Komplikationen verringert werden.

Die Bedeutung sportlicher Aktivität für Menschen mit Hämophilie

Für Menschen, die von Hämophilie betroffen sind, mag es am sichersten erscheinen, körperliche Aktivität komplett zu vermeiden. Tatsächlich haben Ärzte bis vor kurzem Menschen mit Hämophilie von sportlicher Betätigung abgeraten. Sport kann für Menschen mit dieser Blutgerinnungsstörung jedoch durchaus unbedenklich sein, und das Vermeiden körperlicher Aktivität kann schwerwiegende Folgen, u. a. Adipositas, haben. Laut einer in der Fachzeitschrift "Obesity Reviews" veröffentlichten Studie ist rund ein Drittel der Hämophilie-Kranken in Europa und Nordamerika übergewichtig oder fettleibig. Das bedeutet eine Steigerung um mehr als 20 Prozent in den letzten 10 Jahren.

Adipositas erhöht generell das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Schlaganfall und bestimmte Arten von Krebserkrankungen. Bei Menschen mit Hämophilie kann Übergewicht aufgrund der zusätzlichen Druckausübung auf die Gelenke darüber hinaus jedoch auch das Blutungsrisiko steigern. Multiple Gelenkeinblutungen können Hämophilie-bedingte Arthrose und damit chronische Schmerzen nach sich ziehen.

Optimale Sicherheit bei sportlicher Betätigung für Menschen mit Hämophilie

Manche Menschen mit Hämophilie meiden sportliche Betätigung und andere Formen der Bewegung aus Angst vor Verletzungen, die zu gefährlichen übermäßigen Blutungen führen könnten. Laut der US-amerikanischen National Hemophilia Foundation (NHF) belegen Forschungsergebnisse jedoch, dass sich körperliche Betätigung bei Menschen mit der Blutgerinnungsstörung positiv auswirken kann. Wie also können Menschen mit Hämophilie unbedenklich und sicher Sport treiben oder körperlich aktiv sein? Laut Leitfaden der NHF mit dem Titel “Playing It Safe: Bleeding Disorders, Sports and Exercise” (Auf Nummer sicher gehen: Blutgerinnungsstörungen, Sport und körperliche Aktivität) hängt dies vom jeweiligen Schweregrad der Erkrankung ab. Die NHF bewertet das mit körperlicher Aktivität verbundene Risiko auf einer Skala von 1 bis 3, wobei Aktivitäten mit geringem Risiko den Wert ‘1’ erhalten.

Sämtliche im Folgenden aufgeführten Sportarten werden von der NHF mit ‘1’, also einem niedrigen Risiko, bewertet.

Zu Fuß gehen

Es ist einfach. Es ist kostenlos. Man kann es drinnen oder draußen, alleine oder mit Freunden tun. Zudem zeigen Studien, dass zügiges Gehen das Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und Herzerkrankungen praktisch genauso effektiv senkt wie schnelles Laufen.

Schwimmen

Schwimmen macht Spaß und ist ein effektives Training, gleichzeitig schont es aber die Gelenke. In Deutschland bietet daher das Fitness-Programm „Watercise“ ein aktives Wassertraining. Es ist speziell auf die Anforderungen von hämophilen Menschen abgestimmt und wird von erfahrenen Aquafitness-Instrukteuren in Zusammenarbeit mit CSL Behring durchgeführt. „Watercise“ umfasst Übungen aus dem Bereich der Aquafitness, des Aquaaerobics, des Aquajoggens sowie entspannende Übungen, die aus dem Bereich des Aquafeelings oder der Thalasso-Therapie bekannt sind. Weitere Informationen finden Sie unter www.watercise.de

Golf

Lassen Sie den Golfcart wenn möglich stehen! Laut World Golf Foundation gehen Golfer, die einen 18-Loch-Golfplatz bespielen, ca. 8 Kilometer, d. h. über 10.000 Schritte und verbrennen bis zu 2.000 Kalorien. Um Verletzungen zu vermeiden, empfiehlt die NHF Golfspielern, eine solide Schlagtechnik zu erlernen, sich mit Dehnübungen aufzuwärmen und Schwünge zu üben.

Spinning (Indoor Cycling)

Die sicherste Art des Fahrradfahrens für Menschen mit Hämophilie ist drinnen, auf einem fest montierten Fahrrad. Spinning ist ein Ganzkörper-Training, bei dem hunderte Kalorien pro Stunde verbrannt werden. Gleichzeitig ist es aber auch gelenkschonend.

Vorsichtsmaßnahmen

Sobald Sie sich für eine Aktivität entschieden haben, empfiehlt die NHF, dass Sie vor Beginn des Trainings Ihren Arzt/Ihre Ärztin aufsuchen und eine sorgfältige Untersuchung des Stütz- und Bewegungsapparats durchführen lassen. Es kann zudem sinnvoll sein, mit einem vorbereitenden Trainingsprogramm zu beginnen.
Im Folgenden finden Sie einige Tipps, um mit Hämophilie sicher sportlich aktiv zu sein:

  • Wärmen Sie sich auf und wieder ab und machen Sie vor und nach dem Training Dehnübungen, um das Verletzungsrisiko zu senken
  • Tragen Sie geeignete Sportkleidung, beispielsweise bequeme, gut sitzende Turnschuhe
  • Tragen Sie ein medizinisches Armband zur Identifikation, damit Sie im Falle einer Verletzung so schnell wie möglich die richtige Behandlung erhalten
  • Führen Sie ein aufgeladenes Handy mit sich, so dass Sie notfalls jemanden benachrichtigen können
  • Machen Sie sich mit den Anzeichen für Blutungen vertraut und suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe auf, wenn Sie diese an sich beobachten

Bahnbrechende medizinische Fortschritte ermöglichen Menschen mit Hämophilie ein längeres Leben. Gleichzeitig steigt jedoch deren Risiko für chronische altersbedingte Erkrankungen wie Herz- und Krebserkrankungen sowie Diabetes. Übergewicht erhöht diese Risiken sowie das Blutungsrisiko durch Belastung der Gelenke noch zusätzlich. Aber durch regelmäßiges Ausüben unbedenklicher Sportarten können Menschen mit Hämophilie ihr Gewicht regulieren und das Risiko gesundheitlicher Probleme senken.