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New Work: Raum für viele Aufgaben

Wie aktuelle Forschung den Bau neuer Gebäude von CSL Behring in Marburg prägt

Story
M540 Coworking Space
Dem Zufall auf die Sprünge helfen: auch wenn die Mitarbeitenden an unterschiedlichen Themen arbeiten, gibt die Nähe im Coworking Space Raum für zufälligen Austausch. (Bild: Co-Working-Zone im Gebäude M540)

Wissen vermehrt sich schneller als je zuvor – der globalen Vernetzung sei Dank. Kaum eine Branche erlebt das stärker als die Forschung, wo weltweiter Austausch zu schnelleren Ergebnissen führt. Unternehmen können diese Vorteile der Kooperation fördern, sagt die aktuelle Forschung über Architektur und ihre Wirkung auf die Arbeit. Diese Erkenntnisse wurden bei der Planung der neuen Forschungs- und Bürogebäude M600 und M540 von CSL Behring in Marburg berücksichtigt. Denn insbesondere Unternehmen, in denen Erkenntnisse gewonnen und Ideen entwickelt werden, können durch gezielte Gestaltung der Arbeitsumgebung profitieren – ebenso wie die Menschen, die darin arbeiten.

M540 Coworking Space
Ob am Arbeitsplatz mit modernster Ausstattung oder im Besprechungszimmer nebenan: für jede Form von Arbeit gibt es in den neuen Gebäuden von CSL Behring ein passendes Raumkonzept. (Bild: Co-Working und Meeting-Räume im Gebäude M540)

Die Entstehung des Ökosystems „Co-Working-Space“

Wegbereiter bei der Neugestaltung von Arbeit und Arbeitsarchitektur ist die Kreativwirtschaft. Sie hat die digitale Transformation früh vollzogen [1, 2] und damit die Zukunft der Arbeit vorgedacht. Die in der Kreativbranche erhobenen Daten und daraus gewonnenen Erkenntnisse über die Wirkung von (Innen-)Architektur auf Arbeit geben auch für andere Branchen Aufschluss [3]. Zum Beispiel konnte gezeigt werden, dass sogenannte Co-Working-Spaces durch ihre Architektur einen neuen Mix aus kooperativen und individuellen Arbeitssituationen schaffen. Dabei entsteht mehr als eine veränderte Anordnung von Arbeitsbereichen: ein Ökosystem, das Ideen fördert [4].

Als Co-Working hat sich das gemeinschaftliche Arbeiten eigentlich unabhängiger Akteure entwickelt, die die gleiche Infrastruktur nutzen, die also nebeneinander, aber eigentlich nicht miteinander arbeiten. Seinen Ursprung hat das Prinzip im allerersten Co-Working-Space namens Hat Factory („Hutfabrik“), das 2005 in San Francisco eröffnete und dessen Konzept seitdem zu einem globalen Trend geworden ist [8].

M600 Library
Co-Working am Beispiel des neuen R&D Gebäudes M600: Die Library-Ruhebereiche mit Arbeitsplätzen und Sofas direkt vor den riesigen Glasfronten bieten grandiose Ausblicke auf Marburgs grüne Umgebung... (Design: fs-architekten)

Erkenntnisse aus der Arbeitspsychologie

Die Forschenden haben ihre Erkenntnisse aus einer Kombination von Erhebungsmethoden aus strukturierten Tiefeninterviews und Onlinebefragungen sowie Fallstudien zu Co-Working-Spaces zusammengestellt. Die Ergebnisse belegen die Chancen dieser neuartigen Arbeitsumgebungen und zeigen, welche Voraussetzungen für ein fruchtbares Miteinander förderlich sind. Dazu gehören Raum für Interaktionen mit anderen, flexible Arbeitszeiten und die Förderung zufälliger Ideen [5, 6, 7].

Ein weiteres beachtenswertes Beispiel für eine erfolgsfördernde Planung von Arbeitsumgebungen, die auf mehr Austausch zielen, sind die sogenannten Accelerator- oder Inkubator-Programme. Dort arbeiten etablierte Unternehmen in räumlicher Nähe zu Freelancern und Start-ups, um dadurch die interne Produktivität und den (informellen) Wissensaustausch zu steigern [8].

 

M600 Coffice Area
… während die sog. „Coffice Areas“, behagliche Kaffee-Ecken, unverzichtbar für kleine Pausen und informellen, kreativen Austausch sind. (Design: fs-architekten)

Architektur im Dienst des Menschen

Für den Erfolg innovativer Unternehmen spielen auch soziale Faktoren eine Rolle. Umgebungen, die das Wohlbefinden und die Verbundenheit der Mitarbeitenden steigern, sorgen für mehr Motivation und mehr Produktivität. Die Ergebnisse der Studie Global Coworking Survey zeigen zum Beispiel das Wohlempfinden von Mitarbeitenden in Co-Working-Spaces: Sie fühlen sich zufriedener, kreativer, konzentrierter und sogar gesünder [9]. Dabei fördert Co-Working insbesondere die Kreativ- und Projektarbeit, die Kooperation in wechselnden Arbeitssituationen und das Gefühl der Zusammengehörigkeit. [10]

Insgesamt lässt sich aus den vorliegenden Untersuchungen zusammenfassend festhalten: Arbeitsräume, die einen Mix aus Kooperation und Individualität anbieten und Arbeitende zusammenbringen, die nebeneinander, aber nicht zwangsläufig miteinander arbeiten, empfehlen sich als zukunftsweisende Arbeitsform mit zahlreichen Vorteilen.

 

Quellenverzeichnis

[1] BMWi (Hrsg.): Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2020. Kurzfassung, Berlin: BMWi, 2020, Link (Abrufdatum: 17.05.2022)

[2] Lange, B.; Knetsch, F., Riesenberg, D.: Kollaborationen zwischen Kreativwirtschaft und Mittelstand - Erfolgsfaktoren, Methoden und Instrumente, Wiesbaden: Springer Gabler, 2016.

[3] Bauer, W.; Rief, S.; Stiefel, K.-P.: Corporate Coworking – Innovationstreiber für Unternehmen, Stuttgart: Fraunhofer Verlag, 2017.

[4] Pepler, V.; Engstler, M.; Stiefel, K.-P.: Kooperationsarbeit zwischen Akteuren der Kultur - und Kreativwirtschaft in Coworking Spaces und Kreativzentren. Wissenschaft und Forschung an der Hochschule der Medien, Stuttgart. Link, (Abrufdatum: 17.05.2022)

[5] Engstler, M., Lämmerhirt, J., Nohr, H.: Trendbarometer Kreativwirtschaft Baden-Württemberg 2013 – Ergebnisse einer Befragung von Kreativschaffenden, Stuttgart: Kohlhammer, 2013.

[6] Engstler, M.; Mörgenthaler, L.; Nohr, H.: Trendbarometer Kreativwirtschaft Baden-Württemberg 2015 – Reale und virtuelle Orte der Kooperation von Kreativschaffenden in Baden-Württemberg, München: Grin, 2015.

[7] Bauer, W.; Rief, S.: Stiefel; K.-P.; Weiß, A.: Faszination Coworking: Potenziale für Unternehmen und ihre Mitarbeiter, Stuttgart: Fraunhofer Verlag, 2014.

[8] Ebert, D.: Wissenstransfer im Coworking Space: Lokale Lerneffekte und geographische Nähe, Bremen: Universität Bremen, 2016.

[9] Foertsch, C.: Deskmag’s coworking survey, Link (Abrufdatum: 17.05.2022), 2014.

[10] Oliver Linssen et al. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle 2019, Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2019.