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COVID-19 und das hereditäre Angioödem (HAE)

Experten beantworten Fragen der HAE-Gemeinschaft zu den Auswirkungen des Virus auf die seltene Schwellungserkrankung.

Story
Prof. Dr. Maurer beim HAE-Webinar
Professor Dr. Marcus Maurer beantwortete die Fragen im Rahmen einer Fragestunde von HAE International zu COVID-19.

Während COVID-19 angesichts der anhaltenden globalen Pandemie weiterhin die starke Aufmerksamkeit der weltweiten Medizin- und Wissenschaftsgemeinde auf sich zieht, müssen die Experten noch viel über das neue Coronavirus lernen. Dazu gehören auch die Ärzte, die das hereditäre Angioödem behandeln, eine seltene Erkrankung, die schmerzhafte Schwellungsattacken in verschiedenen Körperregionen verursachen kann, die im Bereich der oberen Atemwege lebensbedrohlich sein können.

Vor Kurzem haben verschiedene Patientengruppen, darunter die U.S. Hereditary Angioedema Association (HAEA) und HAE International (HAEi), Ärzten die Fragen von HAE-Patienten im Rahmen von Webinaren & Fragerunden gestellt. Vieles ist zwar noch immer nicht bekannt, doch die Ärzte sind sich in einem Punkt einig: Die Wahrscheinlichkeit, sich mit COVID-19 zu infizieren, ist für ihre Patienten nicht erhöht.

„Derzeit liegen uns keine Daten zu einer Infektion vor, bei der das hereditäre Angioödem nachweislich zu einer erhöhten Anfälligkeit geführt hat,“ erklärte Dr. Marc Riedl von der Universität in Kalifornien - San Diego, während eines HAEA-Webinars.
„Für HAE-Patienten, die aufgrund anderer Erkrankungen bestimmte Steroide einnehmen, könnte bei einer Infektion mit dem COVID-19-Virus die Gefahr eines gravierenderen Verlaufs bestehen,“ warnte Prof. Dr. Marcus Maurer von der Charité-Universitätsmedizin Berlin.
„Wir müssen davon ausgehen, dass eine derartige Behandlung mit dem erhöhten Risiko einer schweren COVID-19-Erkrankung einhergeht,” so Maurer bei einer Fragerunde mit HAEi. „Wenn Sie HAE-Patient mit einer Begleiterkrankung sind, die eine Behandlung mit systemischen Corticosteroiden erfordert, könnte dies mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf von COVID-19 sein.”

Angesichts der eingeschränkten Daten zum Zusammenhang zwischen HAE und COVID-19 ist der beste Rat, den Ärzte ihren Patienten geben können, die gleichen Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen wie die breite Öffentlichkeit, um sich vor einer Infektion mit dem Virus zu schützen, darunter häufiges Händewaschen und das Tragen eines Mundschutzes. Dr. Riedl fügt hinzu, dass die Patienten sich an ihren Arzt wenden sollten.
Diesbezüglich sagt Prof. Dr. Maurer, er habe festgestellt, dass manche Patienten zögern, sich an ihn oder seine Kollegen zu wenden. Er glaubt, manche nehmen fälschlicherweise an, dass die Ärzte während der Pandemie zu beschäftigt seien, sich ihrer Probleme anzunehmen. Er fordert die Patienten auf, bei Fragen Kontakt mit ihrem Arzt aufzunehmen, um zu gewährleisten, dass ernsthafte Probleme nicht unkontrolliert bleiben.

„Wir möchten nicht, dass diese Krise unseren Patienten schadet, weil sie sich scheuen, sich mit Fragen an uns zu wenden, die dazu beitragen können, Attacken zu verhindern oder Attacken richtig zu behandeln,“ erklärt Maurer.