Anti-D-Prophylaxe
Der Begriff
„Rhesusunverträglichkeit“
Neben den Blutgruppen A, B und 0 existieren weitere Blutgruppenmerkmale, wie
das Rhesussystem (D-System). Bei diesem System unterscheidet man rhesus-positive
Menschen, deren rote Blutkörperchen das Rhesusmerkmal D tragen (Rh-pos. oder D+)
von rhesus-negativen Menschen, deren roten Blutkörperchen das D-Merkmal fehlt
(rh-neg., d-neg. oder d-). Durch Vererbung kommt es vor, daß rhesus-negative
Mütter (rh-neg. oder d-) die von einem rhesus-positivem (D+) Vater schwanger
wurden ein rhesus-positives Kind bekommen (D+).
Gelangt nun Blut von diesem rhesus-positivem Kind in den Blutkreislauf
der Mutter, so erkennt ihr Immunsystem die roten Blutkörperchen des Kindes als
Fremdkörper und bildet Antikörper gegen sie (Rhesusunverträglichkeit).
Diese Antikörper führen dann zum Abbau der „fremden" roten Blutkörperchen des
Kindes im Körper der Mutter.
Die
Rhesus-Sensibilisierung
Die oben beschriebene Übertragung von kindlichem Blut kann während der
Schwangerschaft oder (was häufiger der Fall ist) unter der Geburt vorkommen. Die
kindlichen roten Blutkörperchen bleiben normalerweise etwa 80 Tage im
Blutkreislauf der Mutter, ehe sie vom Körper der Mutter ganz normal abgebaut
werden. In dieser Zeit kann es sein, daß der Körper einer rhesus-negativen
Mutter Abwehrstoffe (Antikörper) gegen das D+-Merkmal auf den Blutkörperchen
bildet, die zur Zerstörung der Blutkörperchen führen.
Dieser Vorgang wird „Rhesus-Sensibilisierung" genannt. Um ihn zu
verhindern, wird die Rhesus-Prophylaxe durchgeführt, die in diesem Text
beschrieben ist.
Konsequenzen für die bestehende
Schwangerschaft
Findet die Rhesus-Sensibilisierung während einer Schwangerschaft statt, so
sind die Auswirkungen auf die bestehende Schwangerschaft fast immer sehr gering.
Möglicherweise werden in geringem Maße rote Blutkörperchen im Kind zerstört, was
die typischerweise nach der Geburt auftretende leichte Gelbsucht etwas
verstärken kann.
Wesentlich schwerwiegender sind die Folgen für eine nachfolgende
Schwangerschaft. Um diese Folgen zu verhindern, wird eine Rhesus-Prophylaxe mit
Anti-D-Immunglobulin durchgeführt.
Konsequenzen für die nächste Schwangerschaft
Hat durch eine vorhergehende Schwangerschaft eine Rhesus-Sensibilisierung der
Mutter stattgefunden, so gelangen bei einer nachfolgenden Schwangerschaft die
gebildeten Antikörper über den Mutterkuchen (die Plazenta) in den Blutkreislauf
des Kindes.
Eine große Menge dieser Antikörper werden dann vom Immunsystem der Mutter
ausgeschüttet.
Wenn das Kind rhesus-positiv ist (d.h. seine roten Blutkörperchen tragen das
D-Merkmal), dann führen die Antikörper zum Abbau der roten Blutkörperchen im
Kind. Die Folgen können Blutarmut, Gelbsucht, Wassersucht, Krämpfe oder
sogar schwere Missbildungen beim Kind sein.
Die
Verhinderung der Rhesus-Sensibilisierung durch die
Rhesus-Prophylaxe
Da sich die Sensibilisierung nicht mehr rückgängig machen läßt, muß sie
während jeder Schwangerschaft verhindert werden. Dazu wird der Mutter
Anti-D-Immunglobulin gespritzt. Anti-D-Immunglobulin ist ein Medikament, das
kindliche rote Blutkörperchen mit dem Merkmal D bei einem Übertritt auf die
Mutter aus ihren Kreislauf entfernt, bevor sie das Immunsystem der Mutter
aktivieren können.
Auf diese Weise kommt es nicht zu einer Sensibilisierung der
Mutter.
Die
Rhesus-Prophylaxe funktioniert in zwei Stufen:
Zur Vorsorge wird rhesus-negativen Schwangeren in der 28. – 30.
Schwangerschaftswoche eine Dosis Anti-D-Immunglobulin verabreicht. So wird eine
Sensibilisierung während der Schwangerschaft verhindert.
Nach der Geburt eines rhesus-positiven Kindes erhält die Mutter erneut eine
Dosis Anti-D-Immunglobulin. Dadurch wird die Sensibilisierung durch D-positives
Blut, das während der Geburt in den Kreislauf der Mutter gelangt ist,
verhindert. Das Immunglobulin soll 2 – 72 Stunden nach der Geburt gespritzt
werden.